Wenn das Leben zerbricht
von Cornelia Nabel
Gedanken über Trauer, Liebe, Hoffnung und Heilung
Man wird mit dem Verlust eines geliebten Menschen, dem Zerbrechen eines Lebenstraums, dem Ende einer Beziehung konfrontiert. Doch jedes Mal fühlt es sich an, als würde einem der Boden unter den Füßen weggerissen.
Jedes Mal geht es um einen großen Verlust im Leben. Um Abschied. Um ein "nie wieder". Um Veränderung.
Und oft ist die erste verzweifelte Frage: Kann ich das überleben?
Wie soll ich überhaupt weiterleben.
Alles scheint ohne Hoffnung, ohne Ziel.
Die Welt dreht sich einfach weiter, aber man selbst ist wie im Stillstand.
Was ist Trauer?
Die Trauer ist eine ganz normale Reaktion, die der Mensch auf den Verlust eines Menschen, eines Tieres, eines Lebenskonzepts, eines Ideals hat. Durch den Verlust ist man aus seinem natürlichen Gleichgewicht gerissen, die Welt gerät ins Wanken.
Trauer ist der schmerzhaft Prozess, in dem wir langsam lernen müssen, mit dieser neuen Realität fertig zu werden.
Die Schweizer Psychologin Elisabeth Kübler-Ross beschreibt Trauer als einen Prozess in verschiedenen Phasen. Doch ganz so gradlinig verläuft sie meist doch nicht. Sie verläuft in Wellen, und mal sind die Wellen hoch und dann wieder nur eine leichte Brandung.
Da Frau Kübler-Ross ihre Untersuchungen mit Sterbenden und nicht mit Trauernden gemacht hat, ist hier eventuell der Unterschied.
Selbst wenn wir das Gefühl haben, jetzt wird es besser, kann sie uns unvermittelt und stark erneut aus dem Gleichgewicht bringen.
Wie kann sich Trauer zeigen
Auch hier zeigen sich verschiedene Gesichter.
Von völliger Lethargie und Zurückgezogenheit über Aggression und Wut können sich alle Emotionen zeigen und gehören dazu. Man sollte keine Tränen zurückhalten, auch nicht die der Wut.
Das Leben kann sich als völlig sinnlos anfühlen.
Man sieht kein Licht, keine Zukunft, keine Hoffnung.
Die Psyche scheint festzustecken, das Leben stagniert. Man fühlt sich isoliert und einsam, selbst unter anderen Menschen.
Missverstanden. Nicht gesehen. Nicht ernst genommen.
Auch körperliche Auswirkungen zeigen sich, denn auch der Körper trauert. Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Kältegefühl oder Kopf- und Magenschmerzen, tiefe Erschöpfung, Depression.
Auch das Hadern mit Gott, warum gerade wir dieses Schicksal haben. Oder das Gefühl einer Strafe kann sich in der Trauer zeige. Wo ist Gott in all dem eigenen Chaos.
Alle Gedanken dürfen sein.
Wie kann ich mit der Trauer umgehen
Oft fragt man sich, wie lange wohl diese Trauerphase geht. Doch hier gibt es keine zeitlichen Beschränkungen. Man kann sie nicht beschleunigen und sollte sie auch nicht verdrängen. Der Trauerprozess will durchlebt und durchfühlt werden. Und dennoch gehen immer wieder kleinere Schritte aus diesem Gefühl heraus, wieder in eine Zukunft, gefüllt mit schönen Erinnerungen, Freude, Lachen und neuen Erlebnissen.
Hilfreich sind Gespräche mit anderen, die einem mit offenem Ohr zuhören. Die Familie, Freunde oder auch in einer Trauergruppe.
Auch das Schreiben seiner Gefühle in ein Tagebuch kann sehr hilfreich sein. Hier kann man alle Gedanken festhalten, auch die, die man nicht einmal anderen gegenüber mitteilen möchte.
Rituale, wie zum Beispiel das Anzünden einer Kerze.
Man sollte sich auch ab und zu etwas Schönes gönnen. Ein schöner Blumenstrauß für Zuhause, ein Cafébesuch, Musik, die die Seele berührt oder auch ein Konzertbesuch. Alles ist richtig, wenn es einem ein Lächeln auf das Gesicht bringt.
Es ist kein Verrat am Verlust, wenn man lächelt.
Es ist ein Zeichen, dass das Leben weiterfließt.
Meine eigene Erfahrung
Das durfte ich lernen als mein Mann im Juni 2024, nach nur sechswöchiger Krankheit, starb. Plötzlich waren wir in einem Ausnahmezustand. Mussten das Unabänderliche begreifen.
Heute bin ich dankbar für diese Zeit in der wir noch einmal ganz bewusst auf unser gemeinsames Leben schauen konnten, gemeinsam in Erinnerungen einzutauchen, zu lachen und zu weinen. Dinge auszusprechen.
Wir hatten sogar die Beerdigung genau besprochen. Sein Wunsch, dass ich ein ganz spezielles Kleid tragen sollte.
Durch die Kinder war ich auch nicht alleine.
Und doch ist man alleine, denn man muss letztendlich in jeder Situation mit sich selbst fertig werden. Das Auf und Ab der Gefühle, die Schuldgefühle, wenn man plötzlich Freude empfindet.
Man muss lernen, sich selbst zu erlauben, auch wieder glücklich und zufrieden zu sein. Weiterzugehen.
All das muss reifen und braucht seine Zeit.
Was mir geholfen hat
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Bibel Prediger Kapitel 3, Vers 4 - 17