Unser Kind ist homosexuell

von Cornelia Nabel

Natürlich hast du darüber gelesen und so manches Mal gedacht "zum Glück geht mich das nichts an".

Unser Kind outet sich

Und plötzlich ist es doch dein oder besser gesagt euer Thema.

Dein Sohn ist schwul, deine Tochter ist lesbisch oder dein Kind fühlt sich in seinem angeborenen Geschlecht nicht zuhause.

In deinem Kopf schwirren die Gedanken. Du bist erschrocken. Du bist verunsichert. Du hast Ängste. Du bist enttäuscht.

Wie gehe ich damit um

Du bist doch ein toleranter Mensch, bist offen für die Fragen des Lebens und hast bisher für alles eine gute Sichtweise gehabt.

Und nun das.

Du bist entsetzt, nicht über die Homosexualität deines Kindes, sondern über dich und deine Emotionen, die zuerst von dir Besitz ergriffen haben.

Deine Frage nach der Schuld, der Sorge du könntest in der Erziehung etwas falsch gemacht haben.

Aber auch die Sorge darüber, wie es für dein Kind nun weitergeht. Der Weg wird vielleicht sogar schwieriger sein als wenn es heterosexuell wäre. Der Norm der Gesellschaft entspricht. Du weißt, dass es immer noch Menschen gibt die als homophob gelten, die bösartig auf Homosexuelle reagieren. Gewalt, Mobbing oder Ausgrenzung. In der Schule, am Arbeitsplatz und unter Freunden.

Was ist als erstes zu tun

Am besten ist es zunächst, wenn du mit dir selbst verständnisvoll umgehst, denn schließlich möchtest au auf alle Fälle weiterhin liebevoll und offen mit deinem Kind umgehen. Denn es ist dein wunderbares Kind. Daran hat sich nichts geändert.

Dann sag deinem Kind, dass du es bedingungslos liebst. Sprecht über eure Gefühle, die Sorgen, die Ängste. Sage deinem Sohn, deiner Tochter, dass du immer hinter ihm/ihr stehst und er/sie mit allem was kommt offen sprechen kann.

Gemeinsam werdet ihr diesen Weg gehen. Er mag zunächst noch ein wenig unsicher sein, aber du wirst sehen, je offener und toleranter ihr miteinander auch weiterhin umgeht - es kommt die Zeit, wo du es dir gar nicht mehr anders vorstellen kannst.

Meine eigene Erfahrung

Ich weiß von was ich schreibe, denn als meine Tochter sich zu ihrem lesbisch sein bekannte, war auch ich zunächst verunsichert. Das alles ist nun schon

18 Jahre her und damals war es noch etwas schwieriger, denn die Gesellschaft war noch sehr verhalten diesem Thema gegenüber.

Ich suchte Hilfe um mich einfach mit Menschen zu unterhalten die mir zu diesem Thema mehr Information geben könnten. Doch ich stieß meist auf Unverständnis. Wurde höchstens in die nächste Großstadt verwiesen, da gäbe es einen Verein.

So bin ich offen damit umgegangen, habe es den Freunden und Bekannten erzählt und die größte Sorge der meisten war, dass ich jetzt nicht Oma werden würde. Das war so gar nicht meine Sorge. Aber die Angst wie die Gesellschaft mit meiner Tochter weiter umgehen würde, die trieb mich um. Schließlich wurde sie ja schon von ihren Freundinnen links liegen gelassen.

Wie sieht es heute bei uns aus

Wir sind gemeinsam als Familie diesen Weg gegangen. Haben viel gesprochen, waren immer offen und bereit ihre Freundinnen kennenzulernen. Und auch ihre schwulen Freunde, die sie ja auch eher kennenlernte.

Ich bin froh und dankbar, dass wir weiterhin eine so schöne Beziehungen zueinander haben und dass ich durch ihr Art Liebe zu leben noch wesentlich offener und toleranter geworden bis als ich schon war.

Inzwischen ist sie verheiratet und hat uns eine tolle Schwiegertochter mit ins Haus gebracht.

 

 

Zur Übersicht